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Dobsonteleskope

Seit längerem gibt es einen massiven Trend zur Fotografie in der Amateurastronomie. Teleskope, Montierungen und Zubehör werden primär entwickelt, damit sich damit fantastische Bildaufnahmen des Sternenhimmels machen lassen. Nie zuvor konnten solch hervorragende Ergebnisse von Amateuren erreicht werden wie heute. Diese Entwicklung hat allerdings auch eine Schattenseite. Je mehr wir uns darauf konzentrieren, die ausgefeilte Technik zu bedienen, desto weniger "erleben" wir die tiefgreifende Faszination die uns packt, wenn wir ohne Ablenkung den Sternenhimmel auf uns einwirken lassen. Wir sind in diesen Augenblicken weniger Amateurastronomen als Nutzer einer hochtechnisierten Ausrüstung.

Das soll ganz und gar nicht heissen, dass du dich nicht mit der Astrofotografie beschäftigen solltest. Vielmehr geht es darum, neben der Fotografie vor lauter Ablenkung nicht den Genuss des fantastischen Himmels über uns zu verpassen.

Egal, ob du nun gänzlich von der Fotografie ablässt, ob du in manchen Nächten fotografieren willst und dich in anderen der Beobachtung widmen willst, oder ob du beobachten willst, wenn das Fotoequipment erstmal läuft und eigenständig seine Sache macht - in all diesen Fällen ist es wünschenswert, ein Teleskop dabei zu haben, das unbeschwert und intuitiv zu benutzen ist und dabei keine Hürden in den Weg legt.

Es ist nämlich so, dass ein Teleskop für die Astrofotografie zahlreiche Voraussetzungen erfüllen muss, die es so für die "einfache" Beobachtung nicht gibt. Es braucht auf alle Fälle eine stabile (und damit schwere) Montierung komplett mit Computersteuerung, ein im Verhältnis zur Montierung klein dimensioniertes Teleskop, um dadurch die benötigte Gesamtstabilität zu erhalten, und natürlich eine grosszügige Stromversorgung. Dann muss alles erstmal sorgfältig aufgestellt werden inklusive Balancieren in beiden Achsen und sorgfältiger Einnordung. Das kostet Zeit, Mühe, ein gewisses Mass an Routine, ein höheres Systemgewicht und zumeist eine deutlich grössere finanzielle Investition. Soll heissen: man kauft für teures Geld ein System, mit dem man schon auch beobachten kann, aber mit grösserer Mühe und meistens mit geringerer optischer Leistung, als hätte man ein Teleskop gewählt, das all diese Kompromisse von vorne herein nicht braucht.

Genau hier kommt der klassische Dobson ins Spiel

Ein Dobson ist ein Spiegelteleskop nach Newton, bei dem auf komplizierte Mechanik und Elektronik verzichtet wird. Im Ergebnis bekommt man so das grösste Teleskop, das man innerhalb eines gegebenen Budgets erreichen kann, und die Grösse des Spiegels wirkt sich direkt und drastisch darauf aus, wie viele Objekte und wie viel Detail man sehen kann. John Dobson, der Erfinder dieses Teleskoptyps, hat dabei wirklich kompromisslos alles wegoptimiert, worauf man verzichten konnte. Auch heute gibt es noch viele Dobsons in der günstigsten Preisklasse, die eben diese Tugenden noch immer hoch halten. So kann man für ungefähr 1000 Euro ein Dobsonteleskop mit einem 300 mm Hauptspiegel bekommen. In Sachen Lichtsammelvermögen steht solch ein Teleskop selbst teuersten Instrumenten mit gleichem Spiegeldurchmesser nicht oder fast nicht nach. Zugegeben ist solch ein 300 mm Dobson ziemlich gross und dadurch schwer zu transportieren, aber davon abgesehen muss man nur mit ein paar kleineren Abstrichen leben. 300 mm Öffnung sind nunmal 300 mm Öffnung und so jedem kleineren Teleskop erstmal überlegen, egal wie ausgefeilt dies sein mag.

"Ein Dobson liefert ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis für die Beobachtung."

So lange du abgesehen von der möglichst grossen Optik keine speziellen Anforderungen hast, kannst du also sehr günstige Dobsons bekommen, die ganz hervorragend für die Beobachtung geeignet sind und sich nicht vor teureren Geräten zu verstecken brauchen.

Wie schafft ein Dobson das?

Ganz grundsätzlich besteht ein Teleskop aus diversen Komponenten:

  1. Der eigentlichen Optik, die als Spiegelteleskop, Linsenteleskop oder als Mischform ausgeführt sein kann. Dazu kommt dann noch ein oder mehrere Okulare, mit denen die Vergrösserung gesteuert werden kann.
  2. Dem Tubus, dessen Aufgabe es ist, die optischen Bauteile im richtigen Abstand und im richtigen Winkel zueinander zu halten.
  3. Einer Haltevorrichtung, die es ermöglicht, das Teleskop über den Himmel zu schwenken. Diese bezeichnen wir gemeinhin als Montierung.

Beim Dobson in seiner Grundform werden 1) und 3) radikal optimiert. Alles, was man nicht für die Beobachtung braucht, wird weggelassen.

Als optisches System wird das Newton-Spiegelteleskop gewählt. Bei dieser Bauart können sehr grosse Spiegeldurchmesser erreicht werden zu einem Bruchteil der Kosten eines Linsenteleskops gleicher Grösse.

Der entscheidende Unterschied gegenüber normalen Teleskopen ist beim Dobson aber die Montierung. Gerade für die Fotografie wird ein hoher Aufwand betrieben, um eine sehr exakte Nachführung des Teleskops während langer Belichtungen zu ermöglichen. Dazu muss die Montierung dann noch besonders stabil sein und mit einem Computer sprechen können, um Nachführkorrekturen ausführen zu können. Diese Eigenschaften kosten viel Geld und erhöhen die Komplexität des Teleskopes um ein Vielfaches. Aber nichts davon, abgesehen von der mechanischen Stabilität, braucht es für die visuelle Beobachtung!

Beim Dobson besteht die Montierung aus nichts weiter als einer einfachen (Holz)Kiste, die drehbar gelagert ist - der so genannten Rockerbox. Und zwar drehbar in denkbar einfachster Ausführung: der obere Teil der Kiste gleitet einfach über einige Teflonplatten hinweg. Feinmechanik sucht man hier vergebens und genau das ist das Geniale am Dobsonteleskop. In der Höhe wird das Teleskop so beweglich gelagert ist, dass am Tubus runde Laufflächen in Form eines Zylinders oder Halbkreises angebracht sind, die man von oben in die Montierung einlegt. Auch hier werden Teflonplatten verwendet, um die Reibung gering zu halten. Lässt man das Teleskop los, bleibt es im Gleichgewicht und bewegt sich nicht. Drückt oder zieht man am Tubus so bewegt sich dieser, bis man wieder loslässt. Einfacher geht es nicht mehr, alles gelingt völlig intuitiv und ohne an diversen Stell- und Klemmschrauben herumzuwursteln. Ach ja, und ein Stativ braucht es auch nicht, die Rockerbox wird einfach direkt auf den Boden gestellt.

Der einfache Aufbau der Rockerbox resultiert in extrem geringen Herstellungskosten bei dennoch hervorragender mechanischer Stabilität. Man muss nur damit klar kommen, dass das Teleskop weder motorisiert ist noch über eine GoTo-Steuerung ("Autopilot für's Teleskop") verfügt.

"Dobsons kombinieren die besonders Preiswerte Newtonbauweise mit einer möglichst einfachen Mechanik. Das macht sie unschlagbar günstig."

Dobsons in ihrer reinsten Form sind Teleskope, die gnadenlos auf ihre optische Leistungsfähigkeit und den kleinstmöglichen Preis optimiert sind. Der Reiz liegt nicht in ihrer Finesse, sondern im bewussten Weglassen von Eigenschaften, die nicht gebraucht werden.

Ein Dobson für alle?

Reine und kompromisslose Dobsons sind perfekte Teleskope, aber nicht unbedingt perfekt für alle. Die Anwender/in muss schon ein wenig mehr lernen, insbesondere zur Orientierung am Sternenhimmel. Ausserdem gehört eine gewisse Geduld dazu und gerne auch ein kleines Bisschen Geschicklichkeit, um das Teleskop feinfühlig verstellen zu können. Das lässt sich alles für nahezu jeden erreichen, ein Übermensch braucht man nicht zu sein. Und noch etwas sehr kritisches: Fotografie ist mit Dobsons kaum möglich. Zwar kann man heute mit entsprechendem Einsatz erstaunlich viel erreichen, aber für wen die Astrofotografie auf dem Plan steht, für den wäre ein Dobson verkehrt.

"Dobsons sind gnadenlos für die visuelle Beobachtung optimiert."

Im Gegenzug für alle Entbehrungen bekommt man dafür ein viel direkteres Erlebnis des Sternenhimmels. Keine ausgefeilte Technik muss beherrscht werden, du siehst das wahre Licht des wirklichen Himmelsobjekts, welches vielleicht schon seit Millionen von Jahren unterwegs war, bevor es dein Auge erreicht hat. Ganz anders als eine Abbildung, die von ein paar LEDs an einem Bildschirm entsteht und sicher mehr vom Objekt zeigt, aber alles um mehrere Schritte vom "echten" Eindruck entkoppelt. In einem Dobson hast du alles, was du siehst, selbst erarbeitet: sorgfältig ausgewählt, mit Hilfe von Karten gefunden, dabei das Teleskop völlig händisch über den Himmel bewegt, dann mit Übung, Beobachtungstechnik und Geduld direkt im Okular betrachtet. Ein Dobson ist wie ein gutes altes "akustisches" Fahrrad, mit einfachst möglicher Technik und ohne den Nutzer mit Spielereien vom Urerlebnis abzuschirmen.

Eignet sich ein Dobson für dich?

Wenn du das hier liesst, hast du gewiss eine unwillkürliche Reaktion auf das gesagte, die irgendwo zwischen zwei Extremen liegt: entweder du findest das Konzept zutieft sympathisch, oder du verstehst nicht, wie man auf all die komfortablen Features eines "richtigen" Teleskops verzichten kann und was denn überhaupt schlimm an den modernen Hilfsmitteln sein soll. Am wahrscheinlichsten liegst du mit deiner Reaktion irgendwo zwischen den Polen. Dabei ist keines der beiden Extreme falsch und man ist nicht nur dann ein "echter" Amateurastronom, wenn man jedwedem Komfort abschwört. Genausowenig muss man zwingend jedem modernen Feature nach jagen.

"Wir sind einfach unterschiedlich gestrickt und was für einen das perfekte Teleskop darstellt, ist für jemand anderen quasi nur Optikschrott."

Wir müssen hier auch völlig wertungsfrei anerkennen, dass heutzutage einfach die Fotografie der grosse Trend in der Amateurastronomie ist. Fotos kann man kinderleicht mit seinem Freundeskreis teilen, vielleicht treibt dich auch der Ehrgeiz an, mit der Zeit immer bessere Bilder einzufangen. All dies ist völlig normal und wird vom Teleskopmarkt gut abgedeckt. Egal wie viel Technik im Teleskop stecken soll, es gibt Lösungen für jeden, wenn auch oft zu einem hohen Preis. Der Dobson wirkt hier aus der Zeit gefallen. Vielleicht ist er das ja auch, aber unser Eindruck ist, dass sich heute viele Menschen danach sehnen, auch mal Zeit ohne modernste Technik zu verbringen. Eine gelungene Beobachtungsnacht unter der scheinenden Milchstrasse, bewaffnet nur mit Wissen, Geschick, einem einfachst möglichen (und dabei gerne möglichst grossen) Teleskop, und voll im Augenblick versunken, das ist ein Erlebnis, wie es sich bei der Astrofotografie nicht einstellt. Das braucht nicht jeder, das will vermutlich nicht jeder. Aber für so einige von uns ist dieses einfache Erlebnis unglaublich reizvoll.

Darf's auch etwas Komfort sein?

Nun befinden sich aber die meisten von uns nicht an den beiden Extremen. Wir schwören weder jeglichem Luxus ab, noch lässt uns der Gedanke an die Einfachheit und das Urerlebnis des Sternenguckens völlig kalt. So hat sich dann auch der klassische Dobson in verschiedene Richtungen weiter entwickelt, um besser für verschiedene Anforderungen zu passen. So lässt sich ein Dobson unter anderem auf folgende Eigenschaften trimmen:

  • geringeres Gewicht, insbesondere ein möglichst geringes Gewicht des schwersten Einzelteils
  • geringere Packmasse
  • Robustheit für den Transport
  • feingängigere Lagerungen für einfachere Nachführung
  • Goto (Computersteuerung), um die Objekte nicht selbst finden zu müssen
  • höherwertige Spiegel für bessere Bildqualität
  • noch grösserer Spiegeldurchmesser
  • ausgefeilte Spiegelzelle für bessere Bildqualität
  • einfache Justagemöglichkeit (Kollimation), gerne werkzeugfrei
  • einfacher Zusammenbau
  • Bedienung und Aufbau mit einer Hand
  • Beobachtung entweder mit dem rechten oder linken Auge
  • lokale Herstellung
  • ästhetische Gesichtspunkte
  • Reparierbarkeit

Vieles hiervon lässt sich gleichzeitig erreichen, kann aber die Kosten in die Höhe treiben. Andere Eigenschaften stehen im Konflikt zueinander, etwa ein noch grösserer Spiegel einerseits und geringere Packmasse andererseits. Es gilt, die Eigenschaften abzuwägen und zu entscheiden: diese Eigenschaft muss ich haben, jene Eigenschaft kann ich entbehren. Diese möchte ich gerne haben, will aber dafür keine hohen Kosten in Kauf nehmen.

Hersteller fertiger Dobsonteleskope kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Du als Nutzer kannst aus dem Angebot das auswählen, was am ehesten den eigenen Wünschen entspricht.

Wo positionieren sich die Dobsons von Nienna?

Für die Dobsons von Nienna haben wir uns sehr viele Gedanken gemacht und die Eigenschaften so abgestimmt, wie es aus unserer Sicht ein Optimum darstellt. Um aber den individuellen Anforderungen unserer Kunden Rechnung zu tragen, bieten wir ein ganzes Spektrum an.

Unsere Grundmodelle werden in Kleinstserie gefertigt. Sie sind überwiegend auf Leichtbau und geringe Packmasse optimiert, wobei wir aber nicht bereit waren, bei der Ergonomie grosse Kompromisse einzugehen.

Der Gegenpol hierzu sind Teleskope völlig nach Kundenwunsch. Dabei entsteht im Gespräch mit dem Kunden ein Teleskop, welches eine ideale Abstimmung der verschiedenen gewünschten Eigenschaften darstellt.

Der häufigste Fall liegt zwischen den Polen - ein Teleskop, welches ausgehend von einem unserer Grundmodelle gezielt abgeändert wird, um speziellen Wünschen Rechnung zu tragen.

"Nienna Dobsons werden in unserer eigenen Werkstatt in Schweden hergestellt. Wir können dabei direkt auf Kundenwünsche eingehen."

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